Aufwertung der Care-Arbeit durch digitale Medien

Anerkennung & soziale Absicherung

In der heutigen Gesellschaft übernehmen viele Familien unbezahlte Care-Arbeit in Form vom Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder und erwachsene Personen, welche auf Hilfe in der Alltagsbewältigung angewiesen sind. Kann eine Person aufgrund von Krankheit, Unfall, Invalidität oder Alter keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen, decken die Sozialversi­cherungen den finanziellen Ausfall. Fällt ein Einkommen aber aufgrund der Übernahme un­bezahlter Care-Arbeit aus, ist der Versicherungsschutz gering. Ganz ohne Schutz sind Care-Arbeitende in der Arbeitslosenversicherung (ALV). Besonders Personen, die aufgrund ihrer Care-Arbeit keiner weiteren Erwerbsarbeit nachgehen können, sind stark im Nachteil, denn sie gelten als nicht vermittelbar. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Care-Arbeit wird in der ALV nicht berücksichtigt.

Wie kann nun dieser Benachteiligung entgegengewirkt werden? Bei meinen Recherchen bin ich vermehrt auf die Forderung gestossen, dass Care-Arbeit mehr Anerkennung braucht. Sie muss von der Bevölkerung stärker wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Denn unbezahlte Care-Arbeit ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Doch erst wenn diese Unverzichtbarkeit im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert ist, können auch gezielte Massnahmen in den Sozialversicherungen realisiert werden.

Gleichstellung mit Erwerbsarbeit

Meiner Meinung nach stellt die geforderte Anerkennung und Aufwertung der Care-Arbeit den ersten Schritt zur Erreichung der Gleichstellung mit der Erwerbsarbeit (im Bezug auf die soziale Absicherung) dar. Damit dieser erste Schritt aber Fuss fassen kann, braucht es mehr als sozialpolitische Diskussionen und Veröffentlichungen über die Wichtigkeit der Care-Arbeit in Fachzeitschriften. Benötigt wird eine fortlaufende, öffentliche Wertschätzung der Menschen, welche Care-Arbeit leisten sowie die ständige Präsenz der Erforderlichkeit dieser Leistungen in der Gesellschaft.

Soziale Arbeit und digitale Medien

Die Aufgabe der Sozialen Arbeit sehe ich in eben dieser Verbreitung des positiven Ansehens der Care-Arbeit. Durch ihre breitgefächerten Arbeitsfelder hat die Soziale Arbeit Zugang zu Menschen in den unterschiedlichsten Lebensaltern und -phasen. Dies ermöglicht ihr die Wichtigkeit der Care-Arbeit innerhalb der Gesellschaft weitläufig bekannt zu machen. Nimmt sie dazu die Hilfe der digitalen Medien in Anspruch, sind ihre Möglichkeiten zur Steigerung der Wahrnehmung von Care-Arbeit fast unbegrenzt.

In der Kinder- und Jugendarbeit könnte Beispielsweise eine Homepage oder eine Seite auf Facebook erstellt werden, auf welcher Kinder und Jugendliche ihre Eltern portraitieren. Der Schwerpunkt dieses Portraits könnte dabei auf all den Tätigkeiten ihrer Eltern im Bezug auf die Sorge-, Betreuung- und Pflegeaufgaben gegenüber den Kinder und Jugendlichen selbst, aber auch gegenüber anderen Familienangehörigen liegen. Ziel des Portraits wäre eine Sensibilisierung der Kinder und Jugendlichen bezüglich der tagtäglich geleisteten Care-Arbeit sowie eine möglichst frühe Verankerung ihrer Wichtigkeit in Bewusstsein der Mitglieder unserer Gesellschaft.

Durch diesen ersten Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung der sozialen Absicherung von Care- und Erwerbsarbeit und die mentale Verbreitung der Notwendigkeit von Care-Arbeit könnten weitere sozialpolitische Massnahmen vorangetrieben werden.

 

Verfasst von Eva Lindenpütz

 

Literaturverzeichnis:

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG (Hrsg.). (2010). Anerkennung und Aufwertung der Care-Arbeit: Impulse aus Sicht der Gleichstellung [PDF]. Abgerufen von http://www.ebg.admin.ch/themen/00008/00465/index.html?lang=de

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG (Hrsg.). (2012). Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern: Anpassungsbedarf des Sozialstaats in Zeiten sich ändernder Arbeitsteilung [PDF]. Abgerufen von http://www.ebg.admin.ch/themen/00008/00465/index.html?lang=de

Knupfer, Caroline & Stutz, Heidi. (2012). Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern. Soziale Sicherheit CHSS, 01, 09-12.

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