Social Media & die „Konflikt-Praxis“

In meinem letzten Blogeintrag „Social Media und die Konflikttheorie“ habe ich mich sehr kritisch gegenüber Social Media geäussert, wenn sie dazu verwendet werden, um spezifische Zielgruppen anzusprechen. Da meine Ausführungen aber sehr theoretisch gehalten waren, möchte ich nun noch etwas praktischer auf das Thema eingehen.

Eigene Erfahrungen

Als ich schwanger wurde, begann ich damit, verschiedenen online Plattformen (z.B. Foren, Blogs oder Facebook-seiten) zu besuchen / nutzen, um mir digitalisiertes Wissen anzueignen. Schwanger zu sein, war eine neue Erfahrung für mich.

Natürlich wurde ich aufgeklärt wie Babys entstehen und wie eine Schwangerschaft verläuft. So war ich der festen Überzeugung, dass ich weiss auf was ich mich da einlasse… Und dann – ganz plötzlich – war es so weit. In mir wuchs ein kleiner Mensch heran und ich merkte, ich weiss überhaupt nichts.

Aus diesem Grund begann ich, mich aktiv im Internet zu informieren. Anfangs suchte ich nach ganz allgemeinen Informationen. Ich fand viele interessante Webseiten von Organisationen und Verbänden, die objektiv und fundiert über Wissenswertes zu Themen wie Schwangerschaft, Geburt, etc. schrieben. Als ich dann aber begann, nach ganz spezifischen Informationen zu suchen, wurde es teilweise sehr skurril. Gerade in Foren entdeckte ich eine überwiegende negative Stimmung. Negativ in dem Sinn, dass sich darin hauptsächlich betroffene mit schlechten Erfahrungen ausgetauscht haben.

Von der Theorie zur Praxis

Ich wollte mir zum Beispiel, in einem Forum über pränatale Diagnostik, verschiedene Meinungen „anhören“, um meine eigenen Gedanken dazu kritisch zu reflektieren. Als nun die restliche Community merkte, dass ich dem Thema gegenüber offen eingestellt bin, wurde ich in Grund und Boden beschimpft. Es war nicht möglich, mit den anderen Teilnehmern eine sachliche Diskussion zu führen. Denn sie haben vermutlich alle (so schliesse ich aus den mir entgegengebrachten Kommentaren) unschöne Erfahrungen damit gemacht. Das Forum war für sie wie eine Art Selbsthilfegruppe. Nur leider ohne professionelle Leitung…

Mir fiel auf, dass sich in ganz vielen Foren Menschen trafen, um ihre gemeinsamen schlechten Erlebnisse zu teilen. An sich eine tolle Sache, weil es wichtig ist und sehr gut tun kann, sich mit Menschen auszutauschen, welche die eigenen Erfahrungen teilen. Wird aus einem Austausch zwischen einzelnen Personen aber eine Gruppendiskussion, so ist es meiner Meinung nach von grosser Wichtigkeit, wenn nicht sogar erforderlich, dass diese von Fachpersonen betreut werden. Denn daraus können sehr einseitige und vielleicht manchmal auch gefährliche Dynamiken entstehen.

Einsatz Soziale Arbeit

Und genau dort sehe ich einen Ansatzpunkt für die Soziale Arbeit: Betroffenen Menschen eine Plattform bieten, auf der sie sich geschützt und professionell begleitet austauschen können. Eine Möglichkeit, Social Media auf positive Art und Weise für spezifische Zielgruppen einzusetzen.

 

Verfasst von Eva Lindenpütz

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